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Zentralrat der Konfessionsfreien hat sich konstituiert
Published on 23/12/09
by alm
Die etwa 1,8 Millionen Konfessionsfreien in Österreich haben endlich eine rechtliche Vertretung. Am 22.12.2009 hat sich der Zentralrat der Konfessionsfreien konstituiert. Zu seinem ersten Vorsitzenden wurde der emeritierte Physikprofessor Heinz Oberhummer aus Niederösterreich gewählt. Der Verein soll Menschen ohne religiöses Bekenntnis vertreten und ihnen helfen, ihre Bedürfnisse nach außen zu artikulieren.
Wenn es um die Diskussion um einen verpflichtenden Ethikunterricht geht oder um Kreuze in Schulklassen und Kindergärten, werden Religionsgemeinschaften wie selbstverständlich um eine Stellungnahme gebeten. Die ca. 1,8 Millionen Menschen ohne religiöses Bekenntnis werden nicht gefragt. „Diesem unhaltbaren Zustand wollten wir mit der Gründung des Zentralrats Rechnung tragen“, sagt Zentralratsvorsitzender Heinz Oberhummer. „Wenn man sich die Debatte um den Ethikunterricht ansieht, reden sehr viele Menschen mit, ohne die eigentlich Betroffenen zu fragen. Das sind die Konfessionsfreien. Es sind deren Kinder, die den Großteil der SchülerInnen ausmachen, die nicht in den konfessionellen Religionsunterricht gehen.“ Eine politische Entscheidung, wie sie gerade in Vorbereitung sei, sei eine Entscheidung über den Kopf der Betroffenen hinweg. „Das ist, als ob man einen Männerbund um Rat bitten würde, ob eine Frauenquote eingeführt werden soll.“ Mit dem Verein gebe es eine einheitliche Vertretung für Konfessionsfreie in Österreich. „Ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung“, zeigt sich Oberhummer überzeugt. „Das fängt bei Kreuzen in Schulklassen an und endet bei den finanziellen Privilegien von Religionsgemeinschaften. Die wenigsten Menschen ohne religiöses Bekenntnis etwa wissen, dass sie mit ihren Steuern 1,25 Milliarden Euro jährlich allein an Bundesausgaben zugunsten der Religionsgemeinschaften mitfinanzieren.“
Zentralrat wird von AG-ATHE, AHA, und Freidenkerbund getragen
Positiv äußern sich auch die Trägervereine. „Jetzt ist die Ausrede weg, dass es auf atheistischer oder konfessionsfreier Seite für die Politik keinen Ansprechpartner gibt“, sagt Theo Maier vom Freidenkerbund. „Mit dem Verein und einem renommierten Wissenschaftler wie Heinz Oberhummer haben wir eine geeinte und starke Stimme.“ „Sicher geben die Trägervereine ein Stück ihres Selbstverständnisses auf. Aber gemeinsam sind wir stärker“, kommentiert Erich Eder von AgnostikerInnen und AtheistInnen für ein säkulares Österreich. Wolfgang Huber von der Allianz für Humanismus und Atheismus: „Wir haben unser Angebot bisher vor allem an AtheistInnen und AgnostikerInnen gerichtet. Dieser Verein ist ein Angebot an alle Konfessionsfreien.“ Der Zentralrat bringe frischen Wind in die Debatte in Österreich. Wie verstaubt die sei, zeigten nicht zuletzt die Reaktionen auf die Verfassungsklage gegen das niederösterreichische Kindergesetz. Als erste „Amtshandlung“ stellt sich Oberhummer demonstrativ hinter den Vater, der den Verfassungsgerichtshof angerufen hat um die verpflichtende religiöse Erziehung von Kindern aus dem nö. Kindergartengesetz streichen zu lassen. „Religion darf niemandem aufgezwungen werden. Vor allem nicht Kindern“, sagt er.
Dem Zentralrat können sich alle weiteren Vereine anschließen, die sich für die Anliegen von Konfessionsfreien, AtheistInnen und AgnostikerInnen einsetzen.
Zur Person: Heinz Oberhummer ist emeritierter Physik-Professor an der TU Wien. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er mit seinem Buch ”Kann das alles Zufall sein?” bekannt, das mehrere Preise einheimste. Im Ruhestand hat sich der 68-Jährige der Aufklärung verschrieben. Unter anderem tourt er mit den ”Science Busters” durch Österreich und erklärt auf humorvolle Weise scheinbar unerklärliche Phänomene wie katholische Blutwunder wissenschaftlich. Heinz Oberhummer ist auch in der Giordano-Bruno-Stiftung aktiv.
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Comments on Zentralrat der Konfessionsfreien hat sich konstituiert
14 Responses
Atheist
24/12/09
Hey,
Gute Idee, dankeschön.
stefan
24/12/09
ich möchte ad personam dem zentralrat beitreten. wie geht das? bitte postet das hier!!
lg,
stefan
alm
25/12/09
Der Beitritt von Einzelpersonen ist noch nicht vorgesehen, aber wahrscheinlich für die nahe Zukunft denkbar. Derzeit ist ein Beitritt nur über die 3 Gründungsvereine möglich.
So nicht
25/12/09
Das ist unerhört ! Ein paar Hanseln (und Greteln ?) ernennen sich selbst zu “rechtlichen Vertretern” der Menschen, die keiner Konfession zugehören. Ich verbiete Ihnen ausdrücklich, mich zu vertreten !
Übrigens : “konfessionsfrei” ist nicht gleichbedeutend mit “nicht-religiös”. Es gibt viele Menschen, denen Religiosität ohne konfessionelle Bevormundung wichtig ist.
alm
25/12/09
Niemand behauptet rechtlicher Vertreter zu sein. Und niemand behauptet, dass konfessionsfrei areligiös bedeutet.
Das sind Unterstellungen.
So nicht
27/12/09
“Niemand behauptet rechtlicher Vertreter zu sein.”
Siehe erste Zeile : “Die etwa 1,8 Millionen Konfessionsfreien in Österreich haben endlich eine rechtliche Vertretung.”
???
Mibo
28/12/09
also eine beitrittsmöglichkeit für einzelpersonen finden ich äußerst dringlich !!!
Dr. Stix Gerulf
05/01/10
Die Idee einer rechtlichen Interessenvertretung für alle konfessionsfreien Menschen finde ich gut. Für wichtig erachte ich die Klarstellung, dass konfessionsfrei nicht automatisch atheistisch bedeutet. Dogmenfreies, oft philosophisch artikuliertes Nachdenken über Religiosität als menschliches Grundphänomen verstehe ich als Konfessionsfreier durchaus positiv. Desgleichen subjektive “religiöse Empfindungen”. Es geht mir einzig darum, die Freiheit zu wahren. Für Aberglauben bin ich persönlich nicht empfänglich. Der Aufklärung fühle ich mich verbunden. —
Einzelmitgliedschaft sollte ermöglicht werden.
alm
11/01/10
So nicht, das ist absichtliches Falschverstehen: Der Zentralrat der Konfessionsfreien ist ein Angebot einer rechtlichen Vertretung, nicht die einzig alleinige rechtliche Vertretung.
alm
11/01/10
Mibo, diese Beitrittsmöglichkeit wird kommen.
Mag. Ditta Rudle
05/02/10
Die Trennung von Staat und Religion ist mir sehr wichtig. Dass der Religionsunterricht und die katholische Fakultät (keine Freiheit der Lehre!) vom Staat getragen wird, ist in einer Demokratie nicht in Ordnung.
Einen Gott, der mir sagt was ich tun und lassen soll, kenne ich nicht. Ein anständiger Mensch inmitten der menschlichen Gemeinschaft will ich dennoch sein.
Jede (jeder) soll glauben, was sie (er) möchte, wer weder an Gott noch dem Papst glaubt, darf aber nicht diskriminiert werden.
In.Fra
05/02/10
Die Trennung von Staat und Religion ist den Religionen (besonders den derzeit profitierenden) deshalb ein Dorn im Auge, weil es ja letztlich das bedeutet: Trennung von Staatsgeldern und Religion.
Ich bin dafür, dass man Religion in aller Freiheit privat ausüben und privat finanzieren sollte, nicht aber von Staats wegen fördern darf. Also alle Achtung für Religionen aller Art, aber keine Staatsgelder für individuelle Religionsausübung (= Geld von der Gesamtbevölkerung!).
Mag.Huppe Werner
06/02/10
Ich unterstütze Ihre Initiative uneingeschränkt.
U.a.stößt mir seit langem sauer auf, daß ich in amtl.Formularen zur Feststellung der Religionszu-
gehörigkeit o.b.ankreuzen muß.
Die Ideale der Aufklärung und allgemein gültige
humanistische Einstellungen zum friedvollen Zusam-menleben der Menschen sind doch ein Bekenntnis?
Ohne gegen in der Vergangenheit oder gegenwärtig
verübte Taten anerkannter Religionsgemeinschaften
polemisieren zu wollen:o.b.ankreuzen zu müssen ist
einfach diskriminierend.
mag. josef wallinger
06/02/10
Liebe Konfessionsfreie,
Ich bin,leidgeprüfter (im kathol. Land Tirol) Arge-leiter der EthiklehrerInnen Tirols und finde eure Initiative sehr positiv, muss mich aber erst näher darüber informieren.
Endlich ein Zusammenschluss einer sehr großen, öffentlich bisher nicht existenten Interessensgruppe – auf jeden Fall möchte ich gerne auf eurer Mailliste stehen und über die neuesten Entwicklungen informiert werden.
Liebe Grüße J. Wallinger, Innsbruck











