Willkommen beim Zentralrat der Konfessionsfreien!
Der Zentralrat der Konfessionsfreien teilt sich vorübergehend die Website mit der Laizismus-Initiative, u. a. weil deren Inhalte ein wesentliches Anliegen dieses Zentralrates repräsentieren.
Warum weder die immensen staatlichen Zuwendungen an die katholische Kirche, noch die anderen Aspekte ihrer Machtausübung aufgegriffen und ernsthaft durchleuchtet werden, fragt Waltraud Prothmann.
Nun gibt es also jede Woche aufgeregte Fernsehdiskussionen und Kommentare zur sexuellen Gewalt an Kindern. Geistliche, die angeblich nichts ahnten, fallen betroffen aus allen Wolken und geben ihre bedauernden Lippenbekenntnisse ab. Ansonsten verstecken sie sich wie eh und je – unerträglich monoton in der Wortwahl – hinter abwehrenden und relativierenden Floskeln.
Erstaunlich ist, dass es offenbar ein Thema gibt, mit dem man noch verschämter und heimlicher umgeht, als mit den sexuellen Verfehlungen: Den von allen Steuerzahlern, ob katholisch oder nicht, aufzubringenden Mitteln zur Erhaltung und Verbreitung einer herzlosen Religion.
Es gibt heute so gut wie kein Ressort, in dem nicht gespart werden muss. Wir haben uns täglich mit Abstrichen in sozialen, Gesundheits- und Bildungsbereichen abzufinden, wir hören oder lesen aber keinen Ton, der etwa die fortwährende, hohe staatliche Zuwendung an eine Institution hinterfragte, die ausschließlich der Verbreitung ihrer lebensfernen religiösen Lehren dient. Die von den Gläubigen bezahlte Kirchensteuer – und das wissen viele Menschen nicht einmal – ist ein verhältnismäßig geringer Teil zur Erhaltung dieses Systems. Zum größeren wird es von allen Steuerzahlern finanziert. Auch von jenen, die von dieser Institution diskriminiert oder ausgeschlossen werden: Den wiederverheirateten Geschiedenen, den Homosexuellen, allen nicht katholischen Bürgern; und sogar von den entlassenen Lehrern, die den moralischen Anforderungen nicht mehr genügen, wenn sie unverheiratet eine Lebensgemeinschaft eingegangen sind.
Wie will eine demokratische Regierung die Fortführung des Konkordats aus dem Jahr 1934 für ein System rechtfertigen, das auf allen Ebenen versagt?
Die eigentlichen, system-immanenten Fragen wurden bisher nicht gestellt. Der Sturm der Entrüstung um die Verbrechen an Kindern scheint ein kurzweiliges Ereignis zu sein, das man mit einigen Vorschlägen zur Prävention kosmetisch abzuhandeln versucht.
Wo bleiben die Fragen nach den Menschenrechten: Des Rechts der in kirchlichen Diensten stehenden Menschen auf ihr eigenes Fühlen und Denken, Lieben und Träumen? Weiß man doch, dass eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung grundsätzlich nur dann möglich ist, wenn in jedem Lebensabschnitt entsprechende Veränderungen zugelassen werden. Stattdessen werden idealistische, unerfahrene, sehr junge Männer veranlasst, heilige Eide und ewige Gelübde zu schwören, um sie bis in die fernste Zukunft verfügbar zu machen. Schon das ist ein grober Machtmissbrauch.
Eine andere, zu wenig hinterfragte Verfehlung dieser Kirche ist die unglaubliche Verachtung der Frau, ihre Herabwürdigung zur „Magd des Herrn“.
Wo kommen Frauen in katholischen (Knaben-)Internaten als Betreuerinnen und Erzieherinnen vor?
Wo sind sie in der konfessionellen Hierarchie?
Das erzwungene Fehlen aller weiblichen Fähigkeiten, z. B. einer intuitiveren Kommunikation; die Diskriminierung emotionaler Wärme; die Abwesenheit eines lebendigen, gleichberechtigten Dialogs zwischen männlichen und weiblichen pädagogischen Konzepten in kirchlichen Einrichtungen – wer verantwortet diesen eklatanten Mangel?
Die Erziehung klerikalen, sexuell unterdrückten Männern zu überlassen ist fahrlässig. Dass kirchliche Dogmen über Ehe, Familie und Sexualität in Bischofssynoden von einigen hundert alten Junggesellen beschlossen werden, ist lächerlich. Dass tausende Mütter erpresst werden, den zölibatären Vater ihres Kindes zu verschweigen, damit sie von kirchlichen Stellen wenigstens Alimente bekommen, ist unmenschlich. Dass für diese Kinder die Begegnung mit dem Vater – wenn sie denn überhaupt je stattfindet - meist eine heimlich verklemmte oder schambefleckte ist, müsste für alle natürlich empfindenden Menschen eigentlich unerträglich sein. Diese Männer müssten angehalten werden, ihre Verantwortung wahrzunehmen. In Wahrheit werden sie unter Druck gesetzt, die Liebespartnerin und das Kind zu verleugnen.
Hat man je von einer Ombuds-Stelle gehört, an die sich diese Frauen und Kinder wenden könnten?
Eine solche Kirche dürfte von staatlicher Seite nicht länger finanziert werden. Und der Staatsfunk sollte der scheinheiligen Selbstdarstellung einer solchen Führung kein Forum bieten.
Es wäre besser und „christlicher“, die immensen Zuwendungen zur Verbreitung einer autoritären Ideologie für soziale Projekte zu verwenden und sie an die Gleichstellung von Mann und Frau, wie sie etwa in der evangelischen Kirche längst verwirklicht ist und an demokratische Spielregeln zu knüpfen. -
Kinder werden nicht nur in Männerklöstern misshandelt: Als im Advent des Jahres 2007 in einer Fernsehsendung das „Europakloster Gut Aich“ bei St. Gilgen vom amtierenden Prior als „heiliger und heilsamer Ort, wo Menschen immerzu gut und verantwortungsvoll gewirkt haben“ vorgestellt wurde, blieb mir einen Augenblick der Atem weg. Dann schrieb ich folgenden Brief an ihn:
Ich war als Kind von acht Jahren etwa neun Monate in Gut Aich. Heute, nach mehr als fünfzig Jahren, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut, wenn ich mich diesem „heiligen Ort“ nähere. Die traumatischen Erlebnisse dieser Zeit haben jedes Vertrauen in den Sinn einer religiösen Erziehung in mir ausgelöscht. Was unter dem Deckmantel einer christlichen Moral – wahrscheinlich aus reiner Unbewusstheit zutiefst frustrierter Nonnen – dort an Kindesmisshandlung geschehen ist, wäre heute zum Glück kaum mehr möglich …..
Ich persönlich verdanke meine Befreiung aus dieser Kinderhölle einem agnostisch eingestellten Arzt, der meine Mutter von der krank machenden Atmosphäre überzeugen konnte…..“
(Eine der harmloseren, aber durchaus erschreckenden „Stichproben“ an uns kleinen Mädchen bestand darin, uns nachts, wenn wir schliefen, plötzlich die Bettdecke weg zu reissen, um zu überprüfen, „wo wir unsere Hände hatten“).
Der Prior rief mich zwar an und fand meine Erlebnisse bedauerlich. Aber glauben könne er mir nur, sagte er, weil er wisse, mit wem ich verheiratet sei. Mein Mann (!) sei für ihn vertrauenswürdig.
Das Wesentliche steht nicht zur Debatte
Eine Analyse des inneren Zustandes der klerikalen Kirche blieb bisher aus. Trotz der erschütternden Vergehen kann man keinen verantwortungsbewussten strukturellen Veränderungswillen erkennen, leider auch nicht seitens weltlich-politischer Ordnungsmächte. Denn wesentlich wäre, die Kirche im Hinblick auf die mühsam erworbenen Menschen- und vor allem Frauenrechte zu hindern, sich ungeniert imaginärer, spiritueller Fantasien zu bedienen, um suchende Menschen in ihre Abhängigkeit zu bringen. Die Zeit ist reif, ihr den absurden Anspruch auf beamtete Wahrheiten und die Anmaßung der Unfehlbarkeit grundsätzlich abzusprechen.
Das aber liegt in der Verantwortung des Staates!
Man muss sich doch fragen, welche zutiefst patriarchalischen Muster über die kirchlichen Machtstrukturen hinaus in unserer Gesellschaft noch wirksam sind, da eine von Frauenverachtung und Angstmache durchzogene Institution in ihrer verkrusteten Form so fraglos weiter getragen wird.
Nur demokratische, weltoffene Einrichtungen können ihre Bürger aus religiösen Umklammerungen befreien.
Waltraud Prothmann
Freie Journalistin
Kommunikationspädagogin
Salzburg
500 Millionen für konfessionelle Privatschulen sollten hinterfragt werden
Österreichs atheistische und humanistische Vereine fordern, dass die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche auch von staatlicher Seite aufgearbeitet werden. Was in den vergangenen Wochen bekannt wurde, zeige eine Kultur der Angst, des Schweigens und der Vertuschung. Nur abhängige Stellen könnten das systematisch aufarbeiten, sagen die Vereinsvorsitzenden. Sie treten auch für eine bessere Hilfe für die Opfer ein.
„Es hat über Jahrzehnte einen Staat im Staat gegeben, der systematisch verhindert hat, dass Täter vor Gericht kommen“, fasst Theo Maier, Vorsitzender des Freidenkerbundes, die bisher bekannt gewordenen Missbrauchsfälle zusammen. „Es wäre jetzt einfach, die gesamte Schuld an der jahrzehntelangen Vertuschung der katholischen Kirche zuzuschieben. Ich sehe hier jedenfalls auch eine Mitverantwortung der Republik Österreich und ihrer Behörden. Als Staatsbürger habe ich ein Recht zu erfahren, wer wann weggeschaut hat.“ Maier schlägt einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss oder eine Art Sonderstaatsanwaltschaft vor. „Wie das passiert, ist letztlich egal. Wichtig ist, dass es passiert. Und möglichst so, dass die Opfer nicht bloßgestellt werden.“
Auch Niko Alm von der Giordano-Bruno-Stiftung sieht eine staatliche Mitverantwortung. „Eine Kultur des Schweigens, der Vertuschung und der Angst kann nicht aus sich heraus entstehen“, sagt er. In den konfessionellen Privatschulen seien dringend Reformen angebracht. „Es muss sichergestellt sein, dass die Meldepflicht bei Verdachtsfällen auch dort gilt. Nur das garantiert einen Schutz von Kindern vor Übergriffen.“ Alm hinterfragt auch die öffentlichen Förderungen für konfessionelle Privatschulen. „Die Republik Österreich übernimmt gemäß dem Konkordat die Personalkosten dieser Schulen. Angesichts der Tatsache, dass die meisten jetzt bekannten Übergriffe in solchen Schulen passiert sind, muss man fragen dürfen, ob die Republik Österreich wirklich jährlich 500 Millionen Euro für diese Förderungen ausgeben muss.“ Abgesehen davon müsse sicher gestellt sein, dass es genügend öffentliche Schulen gebe. „Es gibt Bezirke in Österreich, wo das Stiftsgymnasium die einzige AHS ist oder wo die einzige Schule mit Nachmittagsbetreuung von der katholischen Kirche betrieben wird. Das kann es nicht sein. Das zwingt Eltern geradezu dazu, ihre Kinder in diese konfessionellen Privatschulen zu geben.“
Erich Eder von den AgnostikerInnen und AtheistInnen für ein säkulares Österreich fordert unabhängige Ombudsstellen. „Bei aller Anerkennung für die Bemühungen der aktuellen Kirchenleitung hat sich gezeigt, dass das Vertrauen der Opfer in die kirchlichen Anlaufstellen nicht allzu groß ist. Abgesehen davon zeigt der jetzige Skandal, dass es in Österreich für Missbrauchsopfer nicht genügend Anlaufstellen geht, egal wo der Missbrauch passiert. Die sind oft genug im Stich gelassen worden. Das muss geändert werden.“ Wolfgang Huber von der Allianz für Humanismus und Atheismus fordert ein umfassendes Opferhilfepaket. „Hier muss es Entschädigungen geben, ähnlich wie in Irland und in Deutschland. Allerdings will ich nicht, dass wieder einmal die Steuerzahler einspringen müssen, damit Opfer kirchlichen Missbrauchs zu ihrem Recht kommen. Das muss die Kirche selbst erledigen.“
Heinz Oberhummer vom Zentralrat der Konfessionsfreien plädiert: „KatholikInnen müssen sich überlegen, ob sie eine Einrichtung, in der systematisch Kindesmissbrauch vertuscht wurde, unterstützen wollen. Für alle, die es nicht wollen, kann ich nur die Seite www.kirchenaustritt.at empfehlen“, sagt Oberhummer.
Der Besuch der Menschenrechtsaktivistin und Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime in Deutschland Mina Ahadi in Wien am 26. Februar 2010 ist ein willkommener Anlass diese Organisation auch in Österreich zu etablieren. Der nun gegründete Zentralrat der Ex-Muslime will einerseits bei Alltagsproblemen helfen, die dadurch entstehen, dass ihnen durch den Islam eine Lebenseinstellung durch psychischen Druck aufgezwungen wird, die mit den hiesigen Werten und Leben einfach nicht mehr zu vereinbaren ist. Auf der anderen Seite will er gegen jegliche Art von Verletzung der Menschenrechte, wie Zwangsheirat, Ehrenmorde, Steinigungen und Genitalverstümmelung aktiv werden und für diejenigen sprechen, die das in ihren Ländern nicht tun können.
Die Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime und dessen Beitritt zu den Konfessionsfreien werden von letzteren nachdrücklich begrüßt. Damit hat der Zentralrat der Konfessionsfreien nun bereits schon fünf Trägervereine, die sich zu dieser Dachorganisation vereinigt haben.
Mit der Gründung der Ex-Muslime wird in Europa ein wichtiger Prozess in Gang gesetzt, der dahin zielt, dass die Prinzipien der Aufklärung auch den Islam erreichen können. Man darf nicht vergessen, dass erst vor weniger als 400 Jahren das Licht der Aufklärung uns alle von den althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen, Vorurteilen und Ideologien des damaligen Christentums befreit hat. Das hat uns in Europa erst Demokratie, Toleranz, Freiheit und die Menschenrechte gebracht. Dass das gegen den teilweise erbitterten Widerstand der Kirche geschah, ist allgemein bekannt. Auch das europäische Christentum konnte nur Dank der Aufklärung gezähmt werden. Es bedurfte schon der entschiedenen Absage des damaligen Christentums von außen, dass auch die innerkirchlichen Reformen eine Chance hatten, sich durchzusetzen. Mit dieser Doppelstrategie sollte es möglich sein auch die Reformenbestrebungen im Islam selbst zu unterstützen.
Die Ex-Muslime als auch Konfessionsfreie stimmen in folgenden Punkten überein:
Zum Abschluss:
„In den Reihen der Ex-Muslime findet man häufig jene ganz besonderen Menschen, die obwohl es unbequem und gefährlich ist, sich für die Prinzipien der Aufklärung und gegen Menschenrechtsverletzungen einsetzen.“
Veranstaltungshinweis
Wann: Freitag, 26. Februar 2002, ab 16 Uhr (bis ca. 19 Uhr)
Wo: Republikanischer Club (Rockhgasse 1, 1010 Wien)
Aus der Einladung (siehe Facebook Event)
Mina Ahadi, eine bekannte Islamkritikerin aus dem Iran und Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime (ZdE) Deutschland, wird am 26.2.2010 unser Gast in Wien sein. Sie wird über die immer wichtiger werdende europaweite Arbeit der ZdE-Organisationen berichten, und erklären, warum es einer starken und islamkritischen Gegenbewegung innerhalb der islamisch geprägten Community bedarf.
Mina Ahadi, geb. 1956, ist Gründungsmitglied und Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, des Internationalen Komitees gegen Steinigung und des Internationalen Komitees gegen die Todesstrafe. Sie wurde Anfang der 80er Jahre Aufgrund ihrer politischen Tätigkeit gegen das iranische Mullah-Regime in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Bis 1990 lebte sie als Partisanin im Untergrund, dann gelang ihr die Flucht nach Österreich. Ahadi wurde im Oktober 2007 für ihr Engagement für Menschen- und Frauenrechte in London zur “Säkularistin des Jahres” gewählt.
Aus diesem Anlass wird von Cahit Kaya über die Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime in Österreich informiert und über aktuelle Probleme in Zusammenhang mit dem Islam gesprochen.
Anschließend wird Mina Ahadi aus erster Hand über die neuesten Aktivitäten im Iran berichten und für Fragen aller Art zum Thema zur Verfügung stehen.
Weiters wird sprechen: Heinz Oberhummer, Vorsitzender des Zentralrats der Konfessionsfreien
John Gray propagiert mit diesem Buch zwar nicht explizit die Notwendigkeit einen Staat laizistisch zu gestalten, aber er führt diese dennoch klar vor Augen. Deswegen gibt es an dieser Stelle einmal eine Buchrezension.
John Gray: Politik der Apokalypse. Wie Religion die Welt in die Krise stürzt
(Klett-Cotta)
Ist der Westen legitimiert in einen souveränen Staat, wie den Irak einzumarschieren, um seinen etatistischen Erlösungsmythos einer liberalen Demokratie mit Gewalt zu exportieren?
Punkto Titel und v. a. Untertitel hat sich die Übersetzung etwas zu weit vorgewagt: “Black Mass. Apocalyptic Religion and the Death of Utopia” heißt es im Original und v. a. der letzte Teil bringt zum Ausdruck worum es Gray tatsächlich geht, nämlich nicht vorzuführen, dass Religion die Politik zur Apokalypse treibt, geschweige denn Religionskritik an sich zu üben, sondern zu zeigen, dass politische Utopien an ihr Ende gelangt sind. Als Ursprung der modernen, politischen Utopien, vom Historischen Materialismus zum Neoliberalismus und neokonservativen Ideologien benennt er den neutestamentlichen, christlichen Endzeitmythos (laut Gray ein fragwürdiges Geschenk des Christentums), der sich nach der Aufklärung in säkularer Tarnung wiederholt und in den Politreligionen des 20. Jahrhunderts (Nationalsozialismus, Stalinismus, Maoismus) gipfelt. Mit dem Irakkrieg (Bush: “Gott befahl mir…”) und dem Versuch eines v. a. amerikanischen Imperialismus liberale Demokratie mit Gewalt über die Welt zu verbreiten sieht er den Tod der Utopie gekommen.
Grays Beweisführung ist in sich schlüssig, allerdings so umfassend, dass er praktisch alles und jeden attackiert und moderne Philosophie entweder als grobschlächtig, naiv, mindestens aber als utopistisch verblendet brandmarkt. Auch säkulare Staatsführung und humanistisches Denken bezögen sich letztendlich nur darauf, was sie ablehnen oder hingen Erlösungsgedanken in anderer Form an. Sein Gegenentwurf eines pragmatischen, unteleologischen Realismus kommt über eine kurze Skizze in seiner sonst klaren Analyse nicht hinaus. (Niko Alm)
„Sinkende Zahl der Religionsmitglieder weiteres Argument für Trennung von Staat und Kirche“
Wien – Der Zentralrat der Konfessionsfreien fordert angesichts der steigenden Zahl der Kirchenaustritte ein Aus für die Religionsprivilegien in Österreich. Vor allem die dominante Rolle der katholischen Kirche müsste überdacht werden. Laut den Zahlen, die die röm.-kath. Kirche gestern bekannt gab, sind in Österreich erstmals seit Beginn der Erhebungen erstmals weniger als zwei Drittel der Menschen katholisch.
Die Mitglieder der Religionsgemeinschaften stellen den Sinn der Religion in der heutigen Zeit selbst zunehmend in Frage. Diesen Schluss zieht Heinz Oberhummer, Obmann des Zentralrats der Konfessionsfreien, aus den jüngsten Kirchenaustrittsdaten. „Es wird Zeit, dass auch die Politik die gesellschaftlich und politisch dominante Rolle vor allem der katholischen Kirche kritisch prüft. Die heimischen Parteien halten angesichts dieser Situation trotzdem scheinbar unbeeindruckt wie bisher an Konkordat, Religionsunterricht und ähnlichen Privilegien fest. Das ist aber sicher nicht die Aufgabe des Staates und passiert vor allem auf Kosten der 1,8 Millionen Konfessionsfreien in Österreich.“
Vor allem den konfessionellen Religionsunterricht in öffentlichen Schulen sieht Oberhummer massiv in Frage gestellt. „Ein Indoktrinationsprogramm für Kinder gehört nicht in eine staatliche Institution und kostet der Allgemeinheit mehr als 600 Millionen Euro im Jahr.“ Zu dieser Einsicht sollten auch die Verantwortlichen kommen. „Stattdessen versteckt man sich hinter Scheinargumenten wie denen der kulturellen Prägung, Traditionen und ähnlichen Allgemeinplätzen. Was das genau heißt, hat noch niemand schlüssig argumentiert.“ Offensichtlich werde das bei der Diskussion um Kreuze in Schulklassen und Kindergärten. „Immer mehr Menschen lehnen Religionsgemeinschaften ab, aber die Vertreter der Schulbehörden, Politik und Kirche äußern nur Floskeln dazu oder übergehen das einfach. Da geht es ganz offenkundig nur mehr darum, eine schwindende Machtposition mit Symbolen aufrecht zu erhalten.“ Oberhummer fordert ein Aus für den Religionsunterricht. Kinder konnten auch niemals selbstständig entscheiden, ob sie überhaupt der Institution der Kirche beitreten wollen. Ein besonderes Anliegen ist ihm auch die Abschaffung von Kreuzen in Schulen und Kindergärten. Das widerspricht den Menschenrechten, wie erst kürzlich festgestellt wurde, und stellt für einen großen Teil der Bevölkerung nur mehr ein Machtsymbol der Kirche dar. „Wenn immer mehr Menschen der Kirche in Scharen davonlaufen, werden auch die Argumente weniger, die diese Situation weiterhin rechtfertigen“, fordert Oberhummer.
Der Zentralrat der Konfessionsfreien ist das Angebot einer rechtlichen Vertretung der 1,8 Millionen Konfessionsfreien in Österreich.
Die etwa 1,8 Millionen Konfessionsfreien in Österreich haben endlich eine rechtliche Vertretung. Am 22.12.2009 hat sich der Zentralrat der Konfessionsfreien konstituiert. Zu seinem ersten Vorsitzenden wurde der emeritierte Physikprofessor Heinz Oberhummer aus Niederösterreich gewählt. Der Verein soll Menschen ohne religiöses Bekenntnis vertreten und ihnen helfen, ihre Bedürfnisse nach außen zu artikulieren.
Wenn es um die Diskussion um einen verpflichtenden Ethikunterricht geht oder um Kreuze in Schulklassen und Kindergärten, werden Religionsgemeinschaften wie selbstverständlich um eine Stellungnahme gebeten. Die ca. 1,8 Millionen Menschen ohne religiöses Bekenntnis werden nicht gefragt. „Diesem unhaltbaren Zustand wollten wir mit der Gründung des Zentralrats Rechnung tragen“, sagt Zentralratsvorsitzender Heinz Oberhummer. „Wenn man sich die Debatte um den Ethikunterricht ansieht, reden sehr viele Menschen mit, ohne die eigentlich Betroffenen zu fragen. Das sind die Konfessionsfreien. Es sind deren Kinder, die den Großteil der SchülerInnen ausmachen, die nicht in den konfessionellen Religionsunterricht gehen.“ Eine politische Entscheidung, wie sie gerade in Vorbereitung sei, sei eine Entscheidung über den Kopf der Betroffenen hinweg. „Das ist, als ob man einen Männerbund um Rat bitten würde, ob eine Frauenquote eingeführt werden soll.“ Mit dem Verein gebe es eine einheitliche Vertretung für Konfessionsfreie in Österreich. „Ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung“, zeigt sich Oberhummer überzeugt. „Das fängt bei Kreuzen in Schulklassen an und endet bei den finanziellen Privilegien von Religionsgemeinschaften. Die wenigsten Menschen ohne religiöses Bekenntnis etwa wissen, dass sie mit ihren Steuern 1,25 Milliarden Euro jährlich allein an Bundesausgaben zugunsten der Religionsgemeinschaften mitfinanzieren.“
Zentralrat wird von AG-ATHE, AHA, und Freidenkerbund getragen
Positiv äußern sich auch die Trägervereine. „Jetzt ist die Ausrede weg, dass es auf atheistischer oder konfessionsfreier Seite für die Politik keinen Ansprechpartner gibt“, sagt Theo Maier vom Freidenkerbund. „Mit dem Verein und einem renommierten Wissenschaftler wie Heinz Oberhummer haben wir eine geeinte und starke Stimme.“ „Sicher geben die Trägervereine ein Stück ihres Selbstverständnisses auf. Aber gemeinsam sind wir stärker“, kommentiert Erich Eder von AgnostikerInnen und AtheistInnen für ein säkulares Österreich. Wolfgang Huber von der Allianz für Humanismus und Atheismus: „Wir haben unser Angebot bisher vor allem an AtheistInnen und AgnostikerInnen gerichtet. Dieser Verein ist ein Angebot an alle Konfessionsfreien.“ Der Zentralrat bringe frischen Wind in die Debatte in Österreich. Wie verstaubt die sei, zeigten nicht zuletzt die Reaktionen auf die Verfassungsklage gegen das niederösterreichische Kindergesetz. Als erste „Amtshandlung“ stellt sich Oberhummer demonstrativ hinter den Vater, der den Verfassungsgerichtshof angerufen hat um die verpflichtende religiöse Erziehung von Kindern aus dem nö. Kindergartengesetz streichen zu lassen. „Religion darf niemandem aufgezwungen werden. Vor allem nicht Kindern“, sagt er.
Dem Zentralrat können sich alle weiteren Vereine anschließen, die sich für die Anliegen von Konfessionsfreien, AtheistInnen und AgnostikerInnen einsetzen.
Zur Person: Heinz Oberhummer ist emeritierter Physik-Professor an der TU Wien. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er mit seinem Buch ”Kann das alles Zufall sein?” bekannt, das mehrere Preise einheimste. Im Ruhestand hat sich der 68-Jährige der Aufklärung verschrieben. Unter anderem tourt er mit den ”Science Busters” durch Österreich und erklärt auf humorvolle Weise scheinbar unerklärliche Phänomene wie katholische Blutwunder wissenschaftlich. Heinz Oberhummer ist auch in der Giordano-Bruno-Stiftung aktiv.
Die Fakultätsvertretung Evangelische und Katholische Theologie führt am 15.12. eine Diskussionsrunde unter dem Titel „Die Krux mit dem Kreuz – Wieviel Religion verträgt der öffentliche Raum?“
Ausschlaggebend war das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR), Kreuze aus den italienischen Schulen zu entfernen, mit der Begründung, dass Kreuze in staatlichen Schulen die Religionsfreiheit verletzen würden. Die Debatte über Kreuze im Klassenzimmer ist auch in Österreich aktuell geworden.
Anhand dieser Debatte wird das allgemeine Verhältnis von Religion und Politik zum Inhalt der Diskussionsrunde gemacht
Wann: Dienstag, 15. Dezember 19.00 Uhr
Wo: HS 1 (Evangelisch-Theologische Fakultät), 5.Stock Schenkenstraße 8-10
Eingeladen sind:
Die ganze Woche stellt die Frage: Sollen die Kreuze aus den Schulklassen? Niko Alm (Ja) und Josef Pühringer (Nein) haben dazu Antworten formuliert.
Text in Die ganze Woche 46/09:
Kreuze haben in öffentlichen Gebäuden (Kindergärten, Schulen, Gerichten und so weiter) nichts verloren. Speziell in Schulen ist das Anbringen eines Kruzifix‘ aus mehreren Gründen problematisch. Zwar ist es gesetzlich vorgeschrieben, bei einer Mehrheit an Christen ein Kreuz aufzuhängen, aber sind Kinder tatsächlich einer Religion zugehörig? Eltern legen das Religionsbekenntnis der Kinder fest. Erst mit 14 gelten Menschen in diesem Land als religionsmündig. Bis dahin werden sie in verschiedene Religionsunterrichte gesteckt und künstlich auseinanderdividiert. Die in der Regel christliche Mehrheit der Kinder wird privilegiert, weil sie den alleinigen Anspruch auf religiöse Symbole in Klassenzimmern hat und es wäre nur folgerichtig an dieser Stelle Staat und Religion sauber zu trennen und auf religiöse Symbolik in Schulen zu verzichten. Der zweite und wichtigere Punkt betrifft aber die Vereinbarkeit von Glauben und Wissensvermittlung. Bildung lebt von Skepsis und kritischer Neugier. Das Kreuz steht für unkritisches Glauben, für die Unterweisung in Ritualen und Mythen. Dafür darf die Schule keinen Platz bieten.
Ein Kommentar zum Kommentar auf alm.at
Die Zahl der Österreicher ohne Konfession beträgt nun schon über 1,8 Millionen und wächst mit fast 100.000 zusätzlichen Konfessionslosen pro Jahr rasant an. Aber wie steht es mit den Konfessionen der jungen Generation, insbesondere im Klassenzimmer? Dazu soll folgender bildhafter Vergleich dienen:
Durchschnittliche konfessionelle Zusammensetzung einer österreichischen Schulklasse mit 25 Schülern (über 16 Jahre, gemittelt und gerundet):
Römisch-katholisch: 16 Schüler
Andere Christliche (Evangelisch, Ostkirchen, …): 1 Schüler
Muslime: 1 Schüler
Konfessionslos: 7 Schüler
Allerdings geht nur ein Einziger der 16 römisch-katholischen Schüler auch in die Kirche. Die anderen haben offensichtlich zumindest mit der Amtskirche nichts mehr am Hut.
Verwendete Unterlagen:
1) Konfessionen in Österreich: http://twitpic.com/p7vtp
2) F. Höchtl, Missionsland Österreich oder Wie katholisch ist Österreich?: http://bit.ly/608J4T